Stehen Wildbienen und Honigbienen in Konkurrenz?
- Michael Himmelstoss
- 9. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Friedliche Koexistenz oder Rivalen?
Wildbienen und Honigbienen sind faszinierende Bestäuber – beide unverzichtbar für unsere Natur. Doch immer öfter liest man, dass sie sich gegenseitig Konkurrenz machen. Stimmt das wirklich? Und was bedeutet das für Naturfreunde, Gärtnerinnen, Imker und den Artenschutz?

Zwei Bienenarten – viele Unterschiede
Auf den ersten Blick wirken sie ähnlich, doch Wildbienen und Honigbienen unterscheiden sich deutlich:
Honigbienen leben in großen, sozialen Völkern mit bis zu 50.000 Tieren. Sie werden vom Menschen gezüchtet und sind anpassungsfähig.
Wildbienen hingegen sind meist Einzelgänger. In Deutschland gibt es über 560 Arten – von winzigen Maskenbienen bis zur pelzigen Hummel.
Viele Wildbienen sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, fliegen nur wenige Wochen im Jahr und haben ein kleineres Fluggebiet. Honigbienen sind dagegen Generalisten, die eine große Bandbreite an Blüten nutzen.
Gibt es Konkurrenz um Nahrung?
In blütenarmen Zeiten kann es tatsächlich zu Nahrungskonkurrenz kommen, vor allem in Regionen mit sehr vielen Honigbienenvölkern und gleichzeitig geringem Blütenangebot. Dann sind Wildbienen im Nachteil – sie sind weniger mobil, brauchen spezielle Pollenquellen und starten oft früher im Jahr.
Besonders betroffen sind:
Lebensräume mit hohem Imkereidruck, aber geringem Blütenangebot (z. B. Städte, Monokulturen)
Seltene oder spezialisierte Wildbienenarten
Wichtig ist: Honigbienen sind nicht „schuld“ an der Gefährdung der Wildbienen. Die Hauptursachen für das Artensterben liegen in der Zerstörung von Lebensräumen, dem Einsatz von Pestiziden, der Versiegelung von Flächen und dem Rückgang der Pflanzenvielfalt. Dort muss der Hebel angesetzt werden.
Wie lässt sich das Miteinander gestalten?
Ein verantwortungsvoller Umgang mit beiden Bienenarten ist möglich – und wichtig:
Kommunen und Landwirte können blühende Rückzugsräume schaffen – durch Blühstreifen, Hecken und pestizidfreie Bewirtschaftung.
Imkerinnen und Imker können ihre Völker standortgerecht platzieren und bei Trachtmangel auf Wanderung verzichten.
Gärtner und Naturliebhaberinnen können Wildbienen mit Nisthilfen und heimischen, ungefüllten Blühpflanzen unterstützen.
Unser Fazit
Honigbienen und Wildbienen stehen nur selten und unter bestimmten Bedingungen in Konkurrenz. Mit etwas Rücksicht und gezielten Maßnahmen können beide nebeneinander existieren – zum Wohl unserer Natur und Landwirtschaft.
Die Imkerei Bienen-Völcker setzt sich für ein gutes Miteinander ein: Wir betreiben naturnahe Imkerei, achten auf blühende Umgebung, arbeiten pestizidfrei und fördern aktiv Wildbienenprojekte in unserer Region. Denn Artenvielfalt beginnt im Kleinen – und jede*r kann etwas dazu beitragen.
Unser Tipp: Wer Wildbienen helfen möchte, kann bei uns nicht nur Honig kaufen, sondern auch eine Bienenpatenschaft übernehmen oder bei einer Bee-Tour mehr über das Zusammenleben der Bienen lernen.

Sollen wir Bienenvölker in Naturschutzgebieten zu verbieten?
Der jährliche Bestäubungswert der Honigbiene in Deutschland beträgt mindestens drei Milliarden Euro. Eine Schutzfläche von 30 % der Grundfläche Deutschlands würde zu einem Bestäubungsverlust von etwa 1,65 Milliarden Euro führen. Der Selbstversorgungsgrad mit Honig liegt bei nur 42 % und würde weiter sinken.
Folgen für die Imkerei: Honigbienenverbotszonen würden die Imkerei stark beeinträchtigen und könnten zu einem Berufsverbot für Imker/innen führen. Zudem gibt es keine klaren Pläne, was mit den Bienen aus den Verbotszonen geschehen soll. Die Bienendichte würde sich auf den verbleibenden Flächen stark erhöhen, was zu Problemen führen könnte. Landwirtschaftliche Auswirkungen: Die Landwirtschaft leidet bereits unter einem Mangel an Bestäubern, denn der Bestäubungsbedarf in Europa ist schneller gestiegen als die Zahl der Honigbienenvölker. Weitere Naturschutzgebiete mit Pufferzonen könnten zu erheblichen Einkommensverlusten und Hofaufgaben führen.
Folgen für das Ökosystem: Wild- und Honigbienen sind Teil des heimischen Ökosystems. Das Entfernen der Honigbiene würde dieses Gleichgewicht stören. Ein Höchstmaß an Bestäubung wird nur durch eine Vielzahl unterschiedlicher Bestäuber erreicht. Der Verlust einzelner Arten hat dramatische ökologische Auswirkungen. Zudem stehen Honigbienen bei zahlreichen Tierarten auf dem Speiseplan, bspw. bei Vögeln, Spinnentieren, Fröschen und verschiedenen Wespenarten wie dem Bienenwolf (Philantus triangulum), der heimischen Hornisse (Vespa crabro) sowie der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina). Ein Wegfall der Honigbienen würde somit die Ernährung von Vögeln, Amphibien, Spinnen und anderen Insekten beeinträchtigen. Gerade die verbleibenden Wildbienen würden dadurch stark unter Druck geraten.



