ACHTUNG - Honigfälschungen
Erleben Sie die Faszination der Honigbienen in Ihrer Stadt!

Immer mehr Supermarkthonige sind gefälscht.
Nach Vorwürfen zu gepanschtem Honig hat ZDF-„frontal“ eigene Proben aus deutschen Supermärkten mit der neuen DNA-Methode testen lassen.
Importhonig wird oft mit Zuckersirup gepanscht. Auf einer EU-Liste der am häufigsten verfälschten Lebensmittel kommt Honig regelmäßig in die Top 10. Gepanschter Honig ist nur schwer nachzuweisen, denn Fälscher benutzen dafür hochmodifizierte Sirupe. Im Oktober hatte der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) deshalb eine neue Labormethode bekannt gemacht, die gepanschten Honig zweifelsfrei erkennen soll. Diese Methode erstellt ein DNA-Profil der Honigproben, ähnlich wie in der Forensik.
DNA-Test: Supermarkthonig gepanscht
Die ZDF-„frontal“-Redaktion hat nun ebenfalls verschiedene Honige aus deutschen Supermärkten in zwei Laboren, die die DNA-Methode anwenden, testen lassen. Bei den Proben handelte es sich unter anderem um Blütenhonige der Eigenmarken von Aldi, Lidl, Penny, Rewe, Edeka, Netto und um Blütenhonig des Marktführers Langnese. Laut DNA-Analysen seien fast alle Proben „nicht authentisch“ bzw. „nicht plausibel“. Die österreichische Sendung „konkret“ hatte am 16.12. bei eigenen Recherchen ähnliche Ergebnisse veröffentlicht. Honige von deutschen und österreichischen Imkern haben hingegen alle Tests bestanden.
Auf Rückfrage von ZDF-„frontal“ weisen die Honighändler Vorwürfe zu gepanschtem Honig entschieden zurück. Rewe beteuert, sie hätten ein breites Spektrum an qualitätssichernden Maßnahmen etabliert, während Aldi die Ergebnisse des DNA-Tests infrage stellt: „Uns liegen keine wissenschaftlichen Belege vor, inwiefern sich aus DNA-Profil, -Menge oder -Qualität eindeutige Rückschlüsse auf eine Honig-Verfälschung ergeben.“ Auch Langnese kritisiert die Untersuchung als „nicht neutral, objektiv und sachkundig durchgeführt“. Gepanscht oder authentisch: Experten uneins.
Neue DNA-Analyse überführen Fake-Honig
Auch wenn die DNA-Methodik grundsätzlich anerkannt ist, ist sie für Honig-Analysen bisher nicht akkreditiert und wird von vielen Experten kritisiert. Dr. Kirsten Traynor von der Landesanstalt für Bienenkunden Hohenheim befürchtet, dass die DNA-Methode des estnischen Labors Celvia noch nicht ausgereift ist: „Aufgrund der unvollständigen Datenbank könnten Honige aus anderen Ländern derzeit als ‚gefälscht‘ bezeichnet werden, nur weil sie einen anderen Umweltfingerabdruck haben (…). Aktuelle Analyseergebnisse sind daher mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren.“ Professor Florian Leese, Biologe und Spezialist für DNA-Analysen in Ökosystemen, zweifelt die Labor-Ergebnisse gegenüber ZDF-„frontal“ hingegen nicht an: „Für mich ist besonders überzeugend, wenn zwei Labore zu dem gleichen Ergebnis kommen – zwei Labore, die viel Erfahrung haben. Dann würde ich dem Ergebnis tatsächlich sehr stark trauen.“

Von 30 Honigproben in deutschen Supermärkten waren 25 mit Zuckersirup gestreckt und damit nicht echt.
Imker Bernhard Heuvel ist geschockt: 25 von 30 Honigen in deutschen Supermärkten waren gefälscht. Sie wurden mit speziellem Zuckersirup gestreckt. Das ergaben DNA-Analysen, die der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und der Europäische Berufsimkerbund (EPBA) veranlasst hat. Allerdings waren zwei Honige, die als deutsche Herkunft gekennzeichnet waren, in Ordnung. Ein Fernsehteam hat die Berufsimker begleitet und wird die Dokumentation in Kürze ausstrahlen, teilt der Imkerbund mit.
Billighonige fluten europäischen Markt
Heuvel ist überrascht vom Ergebnis seiner Aktion. Nicht einmal er, als Präsident der europäischen Berufsimkervereinigung (EBPA) und Vizepräsident des Deutschen Berufsimkerbunds, hat damit gerechnet, dass fast alle Honige in deutschen Supermärkten gestreckt sind. Bereits letztes Jahr hat der EU-Kontrollbericht Importhonige geprüft und in fast jeder zweiten Probe Zuckersirup gefunden.
Imker bleiben auf Honig sitzen: Billigimporte bedrohen Branche
Das und der massiv schlechte Abverkauf ihrer Honige seit über zwei Jahren hat die europäischen Berufsimker jetzt veranlasst, selbst aktiv zu werden. Denn seit längerem wird der europäische Markt laut Imkerbund mit Billighonigen überflutet, vor allem seit die USA ihre Grenzen für diese Importe geschlossen haben.
Dabei hat die EU neue Vorgaben für die Herkunftskennzeichnung von Honig Anfang 2024 beschlossen. Doch für die Umsetzung in nationales Recht haben die EU-Staaten rund 18 Monate Zeit.

